Demenz, Depression, Altersvergesslichkeit: Die Unterschiede?

Eine Demenz im Anfangsstadium korrekt zu diagnostizieren ist oft nicht leicht. Am häufigsten finden Verwechslungen mit Altersvergesslichkeit und Altersdepressionen statt. Während die Altersvergesslichkeit ein ganz normaler Alterungsvorgang ist, handelt es sich bei der Depression um ein klinisch manifestes Leiden. Dementsprechend wichtig ist eine korrekte Einordnung: Altersvergesslichkeit benötigt keine Therapie, Demenz und Depression sehr wohl. Die Behandlung beider Krankheiten unterscheidet sich aber grundsätzlich.

Was ist Altersvergesslichkeit? Wie kommt sie zustande?

Die Altersvergesslichkeit ist eine normale Alterserscheinung. Denn mit der geistigen Leitungsfähigkeit steht es genau wie mit der körperlichen: Mit zunehmendem Alter ist man einfach nicht mehr so fit. Durch den Alterungsprozess verkleinern sich die Nervenzellen und das Hirnvolumen schrumpft. Die Zahl der Verbindungen zwischen den Nervenzellen, der Synapsen, nimmt ab, und die Menge der freigesetzten Botenstoffe zwischen den Synapsen sinkt. Die kognitiven Leistungen nehmen ab dem sechsten Lebensjahrzehnt auf natürliche Weise ab. Dabei bedeutet eine Einschränkung des Hirnvolumens nicht automatisch, dass die geistige Energie abnimmt. Je mehr man das Gehirn beschäftigt und trainiert, desto länger bleibt seine Leistungsfähigkeit aufrechterhalten.

Altersvergesslichkeit oder Demenz – Was sind die Unterschiede?

Bei der Altersvergesslichkeit funktioniert das Gehirn wie gehabt. Es dauert halt alles nur etwas länger. Erinnerungs- und Orientierungsvermögen sowie Persönlichkeit bleiben erhalten. Ein alter Mensch ohne Demenz ist geistig vollkommen in der Lage, seinen Alltag zu bewältigen, sofern sein Körper mitspielt.

Bei einer Demenz treten ganze Gruppen verschiedener Beschwerden auf. Deren Gesamtheit ist jeweils typisch für das Vorliegen von Alzheimer, vaskulärer Demenz oder einer anderen Demenzform. Einen solchen Symptomkomplex bezeichnet man als Syndrom. Bei demenziellen Erkrankungen umfassen diese Veränderungen zahlreicher geistiger Funktionen. Menschen mit Demenz verändern nach und nach ihren gewohnten Tagesablauf und ihr Verhalten. Bei der Orientierung und Bewältigung alltäglicher Verrichtungen treten immer größere Probleme auf.

Zu einem gewissen Grad werden Demenzpatienten zu anderen Persönlichkeiten. Letzten Endes beeinflusst die Erkrankung auch körperliche Funktionen: Die Patienten werden harn- und stuhlinkontinent, haben keinen Appetit und trinken viel zu wenig. Im Endstadium reagieren sie kaum noch auf ihre Umwelt, können sich nicht mehr bewegen und sind rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen.

Was sind Altersdepressionen?

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im fortgeschrittenen Lebensalter. Oftmals ähneln die dabei auftretenden Symptome denen einer Demenz so sehr, dass man von einer Pseudodemenz spricht. Die Patienten werden antriebs- und lustlos und erscheinen ständig bedrückt. Ihre psychischen Erscheinungen werden oftmals von körperlichen Symptomen wie Magen-Darm-Problemen sowie Kopf- und Rückenschmerzen begleitet. Körperlichen Beschwerden wie auch zunehmende geistige und kognitive Einschränkungen führen zu Ängsten um Gesundheit, finanzielle und soziale Situation. Hinzu kommt die Befürchtung, als Pflegefall auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Weitere erschwerende Faktoren sind Einsamkeit durch den Tod des Ehepartners und das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden, wenn die Kinder aus dem Haus sind und man aus dem Arbeitsleben ausscheidet.

Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Altersdepressionen?

Eine Unterscheidung zwischen Demenz und Altersdepressionen ist vor allem dann schwierig, wenn sich beide überschneiden. Bemerkt eine Person den fortschreitenden Verlust seiner kognitiven Fähigkeiten, führen diese Einschränkungen sehr oft zu Sorgen und Ängsten und lösen so zusätzlich zur Demenz eine manifeste Depression aus.

Der markanteste Unterschied ist die eigene Einschätzung der Erkrankung durch den Patienten. Patienten mit Demenz stellen sich gerne als kerngesund dar und verharmlosen oder leugnen ihre gesundheitlichen Beschwerden. Sie zeigen sich selbst in vertrauter Umgebung desorientiert. Ihre Gedächtnisprobleme betreffen nur das Kurzzeitgedächtnis, wohingegen das Langzeitgedächtnis noch alle Informationen enthält. Die Erkrankung beginnt unauffällig und entwickelt sich über lange Zeiträume. Im Tagesverlauf und bei Anstrengung nimmt das körperliche und geistige Leistungsvermögen bei Demenzpatienten schnell ab. Vergleichbar schwierige Aufgaben können immer nur gleichbleibend schlecht gelöst werden.

Patienten mit Depressionen sind sich hingegen über das Vorliegen einer Erkrankung im Klaren. Sie beklagen diese und können die auftretenden Symptome ganz genau benennen. Sie machen sich darüber viele Gedanken, sodass sie oft nachts nicht schlafen können. Depressive Menschen sind in der Regel zeitlich und örtlich gut orientiert und sowohl das Kurzzeit- als auch das Langzeitgedächtnis leiden gleichermaßen. Eine Depression beginnt meist wahrnehmbar und plötzlich und verschlechtert sich danach schubweise. Die Patienten leiden am Morgen am stärksten unter ihrer Erkrankung, deren Beschwerden sich im Laufe des Tages ein Stück weit bessern. Die Leistungsfähigkeit bei Aufgaben gleichen Schwierigkeitsgrades schwankt ständig in Abhängigkeit von der Tagesform.

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